Bierstacheln

Bier wurde immer schon kühl gelagert – mitunter zu kalt zum Trinken. In jeder Schmiede hatte man früher für solche Fälle ein Eisen im Feuer. Ein glühendes Eisen wurde in das Bier getaucht und dieses so auf eine angenehme Trinktemperatur gebracht. Da das Eisen oft ein spitzer Schürhaken war nannte man die Prozedur bald „Stacheln“.

Das Stacheln ist heute eine Zeremonie, die den Biergenuss besonders zelebriert und hervorhebt. Die archaische Begegnung von glühendem Eisen und eiskaltem Bier in einem schönen Bierglas erzeugt eine Spannung, die in geselliger Runde ein Highlight setzt. Bis der Stachel über offener Flamme aufgeheizt ist, steigen Vorfreude und Spannung, gleichzeitig entsteht ein Forum für Diskussionen zum Thema Biergenuss.

Gerade dunkle Biere werden durch das Stacheln im Geschmack weicher. So wird der lakritzartig schmeckende Restzucker bei dunklen Bieren durch das heiße Eisen karamellisiert, das Bier wird angenehm und rund im Geschmack. Ein besonderes Erlebnis ist der Schaum, der sich beim Stacheln bildet, er ist weich und cremig und – warm! Das kühle Bier zusammen mit dem warmen Schaum zu trinken ist ein nicht alltäglicher Hochgenuss.